In Bad Segeberg dreht sich eigentlich alles nur um den Kalkberg.
Ein Berg ist ja auch etwas ungewöhnlich für Schleswig-Holstein, sowas erwartet man ja nicht auf dem flachen Land. Immerhin, denn Bad Segeberg hört sich ansonsten ja nicht gerade interessant an, vom Klang her zumindest.

18.tausend Einwohner, eigentlich eher ein größeres Dorf. Weit gefehlt. Hier ist das Zentrum des holsteinischen wilden Westens: Karl-May-Spiele unter dem Gipsfelsen. Oben, vom Gipfel des Kalkberges, blickt man entweder in einen historischen Brunnenschacht, (der noch von einer weitläufigen Burganlage stammt, hoch
oben auf dem einst gut 120 Meter hohen Berg und der während des dreissigjährigen Krieges verschwand) oder blickt ostwärts, den Cowboys entgegen, die häufig von der Ostseeküste her in den Sonnenuntergang reiten.
Wenn das Wetter klar ist, soll man etwas weiter südlich sogar die sieben Turmspitzen Lübecks erkennen können. Der Auf- und Abstieg ist schnell und unkompliziert, der Berg ist mittlerweile fast auf 86 Meter geschrumpft. Nachdem die Burg „geschleift“, wurde Kalk abgebaut; förmlich also abgesägt. Deshalb „Sägeberg“. Jetzt also Freilichtbühne mit nordamerikanischer Folklore. Dazwischen immer mal wieder Schlagerveranstaltungen und regelmässige Konzerte von Peter Maffay, der aus irgendeinem Grund einen Narren an Bad Segeberg gefressen hat.
Das amphitheatralische Kalkbergstadion haben die Nazis als „Thingstätte“ geplant.
Da es dann nicht von Zwangsarbeitern, sondern von Freiwilligen des Reichsarbeitsdienstes gebaut wurde, gilt es als unbelastet. Die 7700 Sitze wurden für Massenkundgebungen von HJ und BDM, nach dem Krieg dann von den britischen Truppen genutzt. Seit 1952 verwenden die Karl-May-Spielen das Stadion.
Wem langweilig wird oder wer die Höhe nicht verträgt, kann übrigens auch in den Berg hinein gehen und in den Höhlen unter anderem Fledermäuse beim Schlafen zusehen.
Apropos: Mitten in Segeberg befindet sich ein architektonischer Klotz der Zentrale eine grossen Möbelhauses, dort gab es ein Miniaturkino für Kinder, in denen Zeichentrickfilme gezeigt werden und man ganz ausgezeichnet dösen konnte. Vermutlich gibt es diesen Ort nicht mehr, ich war dort zuletzt als Schüler und das ist schon einige Jahre her.
Gegenüber dem Busbahnhof steht eine Halle zum Einkaufen, auf dem Dach kann man parken. Die Halle ist recht voll und eng, hier kauft die Landbevölkerung auf Vorrat ein und tritt sich auf die Füße; der ganze Kreis Segeberg, mitten um Schleswig-Holsteinischen Hügelland, wird nämlich fast ausschließlich landwirtschaftlich genutzt und besteht aus Dörfern und unzähligen Höfen.
Segeberg, das Dorf der Dörfer, sozusagen und immer noch.
Die Segeberger, die übrigens immer das „Bad“ weg lassen, weil sie es nicht mehr hören wollen, nehmen es mit norddeutsch-nüchterner Gelassenheit hin. Sagen, was ist – immerhin ist die Landschaft schön und Hauptsache, der Kalkberg bleibt ein Berg und Segeberg der Nabel des gleichnamigen Kreises. Deshalb: Viele Schulen vor Ort und sogar ein Traditionsgymnasium. Die Schulen sind eher durchschnittlicher Güte, für Segeberg jedoch ausgezeichnet. Das mondäne Kurbad ist auch Vergangenheit, dafür gibt es ein großes Krankenhaus mit angeschlossenem Kurbetrieb. Der Zahnarzt, der gegenüber seine Praxis hatte und hauptberuflich berühmt dafür war, Witze zu erzählen, immer einer der ersten Comedian Deutschlands, lebt nicht mehr.
Und dann soll es noch den Ihlsee geben, inmitten eines waldigen Naherholungsgebietes. Da war ich allerdings noch nie und habe eigentlich auch überhaupt nicht vor, dort jemals hinzufahren.
