Zu meinen lebenden deutschen Lieblingsautoren gehört eine kleine, sehr exklusive Bande äußerst famoser Autoren. Eckhart Nickel gehört zu jenem Kreis, über dem Stil und Haltung der Ligne Claire, dem Zeichenstil Hergés, schwebt. Und zu dessen Lektüre am passendsten die Musik von The Smiths im Hintergrund spielt. Wenn diese Szenerie jetzt leicht verwirrt: Hergé ist der Zeichner des belgischen Comichelden Tintin, in Deutschland ist die Serie besser bekannt als „Tim und Struppi“ und „The Smiths“ waren eine britischen Independant-Rockband aus den Achtziger Jahren. Eckhart Nickel, Christian Kracht und andere Vertreter der sogenannten „Popliteratur“ schreiben so, wie Hergé zeichnet, um es einmal sehr vereinfacht auf den Punkt zu bringen. Und „The Smiths“ hörte ich schon Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger Jahre, in der Hamburger U-Bahn über den Walkman, während ich „Tim und Struppi“ las. Aber darum geht es nicht. Es geht um und über das Reisen.

Der Autor: Eckart Nickel


Eckart Nickel hat einmal gesagt, dass Fernweh ähnlich wie Schlaf sei. Obwohl man diesem Drang nachgibt, nachgeben muss, kommt er immer wieder zurück.
Als „von unterwegs“ nannte Eckhart Nickel bereits 2021 seine Sammlung an Reisetexten, die bereits so oder so ähnlich als Publikationen für Zeitungen und Zeitschriften erschienen sind.
Soviel Schönes: im echten Thailand auf der Suche nach der Muskatnuss; in Triest in den Cafés der Literaten, überhaupt Cafés und die Caféhauskultur. Abstecher nach China, Portugal, Amerika – kaum ein Kontinent wird von Eckart Nickel ausgelassen. Doch geht es um Klasse, um bewusstseinserweiternde Reisen und Reiseziele. Orte, nach dem der Reisende nicht mehr jener ist, der er vor der Reise war.
Deshalb geht aber auch um die Verkehrsmittel zwischen den Punkten und, natürlich, auch um die Accessoires des Reisens. Um das richtige Gepäck und die passende Ausrüstung für den Zustand des Reisens. Über das literarische Product-Placement sollte großzügig hinweggesehen werden, denn hier kann der Leser etwas lernen. Schliesslich geht es auch um die Sekunden, die zu den unvergessenen Augenblicken im Leben des Reisenden werden. Um die Pflege jenes Urzustandes der elementaren Neugierde.
Ich war übrigens so frei, die weit über 40 Reiseziele auf Google Earth virtuell nachzureisen. Und es stimmt: Im Zeitalter der digitalen Verfügbarkeit, in dem es möglich ist, innerhalb von Sekunden ein Foto von jeder Ecke der Welt aufzurufen, entwickelt sich der Reisende zu einer elitären, aussterbenden Spezies. Denn die Reise ist häufig der Weg zu einem Selbst.