Erst 1897, beim Bau des Kanals, wurde das längst vergessene Kaisertor hinter dem Mühlenteich wiederentdeckt und aus dem Wall gegraben.

Heute ist das Tor unter der alten Seefahrtsschule mit den Resten eines mittelalterlichen Zwingers ein heimlicher Wallfahrtsort. Nicht wegen Kaiser Karl IV, der 1375 und auch nicht wegen Kaiser Wilhelm, der 525 Jahre später durch jenes Tor schritt – den Pilgern geht es um Willy Brandt, Lübecker Bundeskanzler und Ikone deutscher Sozialdemokratie. Denn zwischen den flankierenden Findlingen vor dem Tor findet sich die historische Steinbank, auf der drei Jahre vor Machtübernahme des blutigen „Dritten Reichs“ der Jugendliche sass und eine revolutionäre Schrift las – dokumentiert durch eine überlieferte schwarzweiss-Fotografie.

So kommen hin und wieder sozialistische Pilger vor das Tor, um sich zu setzen. Monarchisten, so konnte ich beobachten, bleiben stehen.


Anthologie von 12 Essays zu Lübecker Seelenorte in der Anthologie

TOPOGRAPHY DER SEELE



KASISERSGATE – Track und Video von VOL714

aus der LP TOPOGRAPHYS

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