Wenn die Wege über die Wallanlagen führen,
und das tun sie oft, wenn man nur will,

dann unbedingt hinauf auf die Wallkrone bei der Wipperbrücke, zum ältesten Baum, über verrutschte Steintreppen, die vorher Grabsteine gewesen sein sollen.

Dann etwas chillen, auf dem Findling unter den Resten der Kaisereiche. Ein fast gänzlich toter Stumpf einer einst mächtigen Eiche, in der nach Süden die letzten vitalen Äste wachsen. Wer diesen Baum des Lebens wohl dort gepflanzt hat? Und warum?

Um 1480 war es, so wird geschätzt, als Christoph Kolumbus noch nach Investoren für seinen verkürzten Seeweg suchte und die Wallanlagen keine Park-, sondern die wesentliche Festungsanlage der lübeckischen Hanse war. Und was diese Pflanze seitdem wohl alles gesehen und gehört hat? Wenn der Baum doch nur sprechen könnte. Doch er kann es nicht. Vielleicht aber doch, ganz leise. Es ist ja noch etwas Leben in ihm.


Anthologie von 12 Essays zu Lübecker Seelenorte in der Anthologie

TOPOGRAPHY DER SEELE



TREE OF LIFE – Track und Video von VOL714
aus der LP TOPOGRAPHYS

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