David Bowie war in Lübeck. Kein Mythos, kein Wunschtraum – ein belegter Fakt.
Am 7. Juni 1997 lag ein Wind über dem Flugplatz Blankensee, der nach Regen und Jetfuel roch.
Dort, wo sonst nur Maschinen starteten, erhob sich eine Bühne, auf der sich Welten begegneten. Zwei Stunden, die Bowie mit The Prodigy, Rage Against the Machine, New Model Army und Helmet teilte – ein Abend, der in die Legenden dieser Stadt einging. Es war der Auftakt seiner Earthling-Tour, und Songs des neuen Albums hatten hier, zwischen Wiesen und Startbahnen, ihre Premiere.
Doch wie kam David Bowie – dieser zwischen Kunst, Androgynie und Sternenstaub schwebende Mensch – ausgerechnet nach Lübeck, einer Stadt, die die großen Tourneen sonst geflissentlich umschiffen?
Lange erzählte man sich eine düstere Geschichte. Bowie, so hieß es, habe Monate vor seinem Blankensee-Auftritt in der Lübecker Uniklinik erfahren, dass er schwer erkrankt sei – nach Lübeck gebracht, womöglich gedrängt, vom Lübecker Ehrenbürger Armin Müller-Stahl. Ein schönes Gerücht, aber falsch: Die Krankheit wurde erst 2014 diagnostiziert, und Müller-Stahl und Bowie sind sich nie begegnet.
Wahr ist immerhin: Deutschland war medizinisches Terrain für Bowie. 2004, nach einem Auftritt in Scheeßel, erlitt er eine Arterienverstopfung und wurde im Hamburger Krankenhaus St. Georg behandelt. In den 1970er Jahren, in seiner Berliner Zeit, lernte der damalige Kettenraucher und Kokaingetriebene wohl auch das surrende Neon der Notaufnahmen kennen.
Und doch hält sich die andere, sanftere Legende: Irgendwann Mitte der Neunziger sei Bowie tatsächlich Patient der Lübecker Uniklinik gewesen – anonym, verschwiegen, wegen seiner Augen. Man habe ihm helfen können, heißt es, oder zumindest Linderung verschafft. Am Ende sei er, höflich und wach wie immer, in guter Stimmung gewesen, habe sich bedankt, mit dieser kühlen britischen Freundlichkeit, die so perfekt mit der norddeutschen Zurückhaltung harmoniert. Kein Autogramm, kein Blitzlicht. Man blieb professionell, beinahe spröde.
Vielleicht war es genau diese Nüchternheit, die ihn rührte. Vielleicht deshalb soll er, leicht verlegen, in die Runde gefragt haben, ob jemand einen Wunsch habe.
Eine junge Frau – vielleicht Medizinstudentin, vielleicht Pflegeschülerin – nahm den Mut zusammen und sagte, fast flüsternd:
„Endlich einmal Bowie in Lübeck.“
Und Bowie, so will es die Geschichte, nickte. Kein großes Versprechen, eher ein stiller Gedanke, der sich festsetzte.
Ein paar Jahre später – Blankensee, 1997 – wurde daraus Wirklichkeit.
Ob all das stimmt, weiß niemand genau. Aber wer Lübeck kennt, weiß, wie Geschichten hier klingen: leise, ein wenig salzig in der Luft, und immer mit einem Rest Wahrheit im Nebel.

