Putins Zombies

und das postkommunistische Gespenst

Der Überfall Putin-Russlands auf die Ukraine hat festgefahrene Denkmuster aufgerissen und Überzeugungen zusammenstürzen lassen. Selbst im linken Bullerbü zogen für einen kurzen Moment dunkle Wolken auf. Dabei war doch so vieles ganz lange überdeutlich klar.
Beispielsweise die Sache mit dem Kommunismus. Sicher, das kommunistische System ist damals Konkurs gegangen. Genau betrachtet sind die Kommunisten aber nur zurückgetreten, um Boris Jelzin die Staatsinsolvenz „abwickeln“ zu lassen. Aber Insolvenzen bereinigen sich nach einigen Jahren. Spätestens unter Jelzins Ziehsohn Wladimir Putin wurden die alten kommunistischen Kader wieder in ihren Traditions- und Veteranenverbänden versorgt und verhätschelt. Und die Genossen in vielfältiger Weise beschäftigt und gefördert. Vielleicht haben sich ja nur die Begrifflichkeiten geändert: aus Kommunismus wurde Oligarchismus, aus Genossen eine Art Paten, aus der „fünften Kolonne“ wurden Putins Zombies. Die wiederum die Regierungsgeschäfte so kriminell wie unter Stalin erledigen. Mag sein, dass es mit dem Kommunismus genauso ist, wie mit dem Faschismus: nie vernichtet worden, nie verschwunden. Nur versteckt und verkleidet.
Und hier, im freien Westen, trommeln auch irgendwie noch dieselben für den Kreml, die vor fünfzig Jahren Ho-Chi-Min brüllten und bei Sitzstreiks gegen Atomraketen, natürlich ausschließlich amerikanische, herumsaßen. Kommunistische Studenten, die irgendwann vergessen hatten, ihre Parteibeiträge zu zahlen. Und anarchistische Zusammenhänge, die sich aus den Augen verloren hatten.
Einige meinen dazu wieder, diese Typen lieber ganz genau zu beobachten. Nicht, dass da etwas passiert, wenn sich der Krieg in eine spätere Phase entwickelt. Andere finden genau solche Entwicklungen besorgniserregend. Und raten dazu, sich lieber herauszuhalten.