Der erste wichtige Ort in meinem Leben ist der Hauptbahnhof in Blickweite des Holstentor.

Bereits als Kind zog mich dieser umtriebige Bahnhof förmlich an, besonders die hektische Betriebsamkeit der Reisenden und ihre aufgeregten bis ermüdeten Gesichter faszinierte mich: diese Freude, endlich angekommen zu sein, die Unsicherheiten über ihren Reiseanschluss und die Spannung, in Erwartung eines langersehnten Zusammentreffens.
Dieser Glanz des Reisebetriebs, der auch an den langweiligen Sonntagen nicht ruhte, erweckte in mir einen Reisetrieb in kleinen Dosen, der schliesslich in der angenehmen Sucht eines Fernwehs mündete, das anhielt.
Deshalb kann reisen für mich auch immer nur im Hauptbahnhof beginnen und enden; alles andere ist nur „fahren“.
So blieb der Hauptbahnhof bis heute mein erster Lieblingsort im Lübeck
meiner seelischen Topografie.

Anthologie von 12 Essays zu Lübecker Seelenorte in der Anthologie
TOPOGRAPHY DER SEELE
- im Hauptbahnhof
- am Bahndamm
- an der Waterkant
- abseits unter Tauben
- am ältesten Baum
- auf der sozialistischen Bank
- die optimistische Aussicht
- im geheimnisvollen Park
- im Malerwinkel
- im St.-Annen Garten
- über Seemannsgräber
- unterm Bismark
HBHF – das Video von VOL714 zum Text
aus der LP TOPOGRAPHYS


Ein Kommentar