Günther Lüders

der feine Komödiant

Der gebürtige Lübecker Günther Lüders ist etwas, das durchaus als einen „Lokalmatador“ zu bezeichnen ist. Ein Komödiant, der seinerzeit alle Bühnen der Heimatstadt kannte und gleichzeitig den Sprung nach draussen und zum Film schaffte und überregional bekannt wurde.

Ein kleiner Star, der ursprünglich eine klassische lübeckische Laufbahn einschlagen sollte.

Als Kaufmannssohn sollte Lüders nach seinem Abitur am Lübecker Katharineum eine klassische Kaufmannslehre absolvieren. Im Kontor des Vaters Carl Lüders, in der Schiffsmaklerei Lüders & Stange ab der Untertrave durchlief sie der Sohn auch brav. Um sein Lehrgeld sowie einen Großteil seiner Freizeit in privaten Schauspielunterricht zu investieren. Selbstverständlich, wir sind ja in Lübeck, mit Duldung und Unterstützung der Eltern. Die das Ganze für eine großartige Liebhaberei halten und es ja auch sonst ganz unterhaltsam finden, dies komödiantische.

Als Günther Lüders dann 1924 das erste Mal auf einer Bühne, nämlich auf der Wanderbühne des Städtebundtheaters, da wurde ihm klar, das diese Liebhaberei sehr tief und überhaupt nicht vorüber gehen will. Ob seine Eltern auch ahnten, dass dies schon Liebe wurde, das zwischen der Schauspielerei und ihrem Sohn und wie sie darauf reagierten, das ist nicht überliefert.
Lüders fiel jedenfalls während dieser schweisstreibenden Wandertoruneen durch die Provinz in Schleswig-Holstein und Mecklenburg durchaus positiv auf – und wurde erlöst. Das Lübecker Stadttheater holte ihn für eine Spielzeit, und dann folgten die „Chancen“, die Lüders prompt erkannte und ergriff: Engagements in Dessau, Frankfurt, Berlin.

In Berlin dann wichtige Bekanntschaften und neue Freundschaften: Gustav Gründgens wurde zum Freund und Förderer. Anfang der Dreissiger erste überzeugende Rollen als leiser Komödiant. Große Erfolge im „Etappenhasen“.

Günther Lüders 1937
Anonymous photographer, not identified anywhere – Kinoprogrammheft „Das Programm von heute“, Verlag R. Leminger, Wien 1937


1935 dann das plötzliche, vorläufige Karriereende; Lüders, der aus seiner kritischen Einstellung zum nationalsozialistischen Regime keinen Hehl machte, wurde verhaftet und verschiedener Äußerungen und belastenden Zeugenaussagen angeklagt. Er verschwand für drei Wochen im KZ Esterwegen. Zu dieser Zeit und unter diesen Umständen eine relativ milde Strafe.

Nach dem Krieg ging Lüders ganz pragmatisch nach Mölln und gab bei den Freilichtspielen den Till Eulenspiegel. Er wollte spielen, egal unter welchen Umständen. Außerdem hatte Lüders den Eulenspiegel schon länger im Blick. Die Ähnlichkeit schien frappant zu sein – angeblich, so heißt es, gleicht die Eulenspiegel-Figur des Möllner Brunnens von Karlheinz Goedtke dem Schauspieler Lüders wie ein Zwilling.
Aber auch in den ersten Jahren der Nachkriegszeit liessen die Engagements nicht auf sich warten. Die nächsten Stationen hiessen Flensburg, Hamburg und wieder: Lübeck. Doch immer nur wenige Monate, dann nahmen sie Lüders den Lübeckern wieder weg, nach Düsseldorf. Acht Jahre, in denen der reifere Lüders von einem Komödianten zu einem Charakterdarsteller geschliffen wurde, Acht wichtige Jahre. 1954 löste sich Lüders jedoch plötzlich und unerwartete von allen Engagements. Er wünschte künftig freier und auf eigener Rechnung tätig zu werden, denn es war kein Geheimnis, dass sich Günther Lüders seine Rollen mittlerweile aussuchen konnte – Bühnen- wie auch Film- und Fernsehrollen, wohlgemerkt.

Und auch Film und Fernsehen legte sich Lüders künftig immer mehr fest, er spielte legendäre Rollen wie die des Corl Smolt aus der Buddenbrooks-Verfilmung von Alfred Weidemann aus dem Jahre 1959.
Seine „Seniorenzeit“ nahm der Lübecker dann ab 1962 als „Staatsschauspieler“ am Staatstheater in Stuttgart.

Doch bereits ein Jahr später legte er sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder, verblieb dem historischen Stuttgarter Haus aber weiterhin als Schauspieler und Regisseur.
In der Folgezeit wurde Lüders als Interpret von Joachim Ringelnatz, Christian Morgenstern und Wilhelm Busch, veranstaltet als Rezitator gut besuchte Abendveranstaltungen und war auch als Leser auf Sprechplatten präsent. Außerdem war er auch Sprecher für Fernsehen und Hörfunk tätig.
Schliesslich kam er noch mehrfach an seine „Hausbühne“ im Großen Haus des Lübecker Stadttheater. Er spielte den Protagonisten in „Mein Freund Harvey“ und den „Hauptmann von Köpenick“. Er wurde im Alter geehrt mit dem Großen Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein, mit der Ehrenmitgliedschaft des Stadttheaters Lübeck, dem deutschen Kleinkunstpreis und mit der Senatsehrenplakette der Hansestadt Lübeck.

Seine letzte Rolle war „Professor Unrat“ in Peter Zadeks Inszenierung des gleichnamigen Bühnenstückes nach dem Roman von Thomas Mann.
Günther Lüders starb am 1. März 1975 in Düsseldorf. Seine Grabstätte befindet sich im Familiengrab auf dem Lübecker Burgtorfriedhof.