Zuhause beteiligte sich Fidrmuc am deutschen Widerstand und wurde, ohne dass er „irgendetwas bewegendes getan“ hatte, verhaftet. Die langjährige Zuchthausstrafe wollte er keinesfalls absitzen. Bereits nach wenigen Tagen gelang ihm die Flucht. Mehr aus Verlegenheit schrieb sich Fidrmuc 1920 in Wien für ein Studium der Philologie ein. Finanziert von der Familie scheiterte er dann jedoch schon nach Monaten, da die Wirtschaftskrise und Inflation das Familienvermögen mit einem Schlag vernichtete und ein Überleben als Student unmöglich machte. In Wien soll Fidrmuc dann jedoch noch durch einen Zufall mit Lübecker Kaufleuten zusammengetroffen sein, die von seinem Fachwissen beeindruckt und von seinen scharfsinnigen Fragen verblüfft waren. Im wurde auf der Stelle eine Stellung in einem Kontor jener Kaufleute angeboten und so kam Fidrmuc nach Lübeck.
Und dort gefiel es ihm, wie Zeitzeugen noch vor Jahren berichteten.
Wie der Gentleman-Ruderer und Frauenheld Paul Georg Fidrmuc schliesslich zu Hitler Spion mit dem Decknamen „Ostro“ wurde, kann nicht mehr ganz genau rekonstruiert werden. Ob er der deutschen Abwehr durch seine Tätigkeit als Journalist oder aber als erfolgreicher Ruderer aufgefallen ist, kann nur mutmaßt werden. Es wird vermutlich aber seine publizistische Tätigkeit für einen Anwerbeversuch durch die Abwehr gereicht haben – und für einen Anfangsverdacht. Hitlers Geheime Staatspolizei, kurz: Gestapo, hielt Fidrmuc 1935 für einen Agenten feindlicher Mächte und nahm ihn in Haft. Man nahm an, er sei ein Spitzenagent der Tschechen. Doch seine Präparation durch die Abwehr als künftiger Spion war aber bereits so weit fortgeschritten, dass seine Entlassung aus der Gestapo-Haft nur eine Formalität aufgrund eines Missverständnisses war. Ein interessanter Punkt in dieser Biografie: Ein Missverständnis wäre doch sehr zufällig im Gewerbe der Geheimdienste, so bleibt die Frage, was oder worauf die Gestapo ihren Anfangsverdacht gegen Fidrmuc baute, vielleicht für die Ewigkeit unbeantwortet.
2022-11-03