Ein Hemd für alle Fälle
das Bretonen-Hemd
Dieses Hemd ist ein Muss: Ich trage es als Unterhemd, als Teil der Schlafkombination und als Shirt an heissen Tagen. Das Bretonen-Shirt liegt in jeder Lebenslage, auf jeder Reise und bei jedem Abenteuer in mehreren Ausführungen stets griffbereit. Was vermittelt mehr ein echtes Gefühl von kultureller Identität, während man in einem Bretonen-Shirt auf einem Hotelbalkon steht und auf die Côte d’Azur blickt? Ich weiss es nicht.
Wenn über Klassiker im Kleiderschrank gesprochen wird, darf das Bretonen-Hemd nicht fehlen. Das horizontal schwarz-weiss gestreifte Baumwollhemd kommt als TRICOT RAYÉ MARIN aus Frankreich, jedoch nicht aus der Bretagne.
Seinen Ursprung hat das Hemd als Standard der französischen Marine und wurde zu einem französischen Symbol und Klischee. Und da die meisten französischen Matrosen, die Ende des 18.Jahrhunderts bis in die Gegenwart durch die Hafengegenden von Hamburg, Lübeck, Kiel und Bremerhaven torkelten, Bretonen waren, wurde das Hemd irgendwann zum „Bretonen-Hemd“ eingedeutscht. So zumindest die Legende.
Die ursprüngliche Version des Hemdes, mit ausschliesslich langen Armen, wurde 1858 als Bestandteil der Uniform französischer Marine-Seeleute eingeführt.
Ein echtes Bretonen-Hemd verfügt auf der Vorder- und Hinterseite über jeweils zwanzig marineblaue Streifen, die jeweils 10 Millimeter breit sind und von 20 Millimeter weißer Grund unterbrochen sind. An den Dreiviertelärmeln sind jeweils vierzehn blaue Streifen.
Das auffällige Muster hatte seinen guten Grund, denn so konnten Seeleute, die im Meer trieben, deutlicher erkannt werden. Tatsächlich waren manche Gerettete überzeugt, der Signalwirkung des Hemdes ihr Leben zu verdanken.
Gefertigt wurden die Hemden jedoch nicht zentral in der Schneiderei der Marine, sondern in unabhängigen Schneidereien. Die große Nachfrage, seit den 1920er Jahren über die Marine hinaus, wurde schliesslich von größeren Produzenten bedient. Armor Lux, Orcival und Saint James fertigen und vertreiben noch heute Bretonen-Hemden in allen Ausführungen und Größen.
Seitdem Coco Chanel in den dunklen Jahren des ersten Weltkriegs den Navy-Style etablierte, gehört das Bretonen-Hemd zum wichtigsten Modeartikel Frankreichs. In den Vierzigern dann, bis in die Gegenwart hinein, gehörte das Hemd spätestens zur Grundausstattung weltweiter Künstlergarderoben. Ob es mit der schlichten Extravaganz des Streifenmusters zu tun hat?
Von Picasso über Jean Cocteau bis zu Sting – jeder trug und trägt dieses Bretonen-Hemd. Schlichte Zeitlosigkeit als Rezept für klassische Beständigkeit.