Ich bin unzählige Male über den dunklen Fußweg am Bahndamm hinter der Bahnhofsbrücke gegangen –

so oft, dass sich dieser Ort tief in mein Gedächtnis eingebrannt hat. Gegenüber dem alten Stellwerk Ost, im düsteren, über schmutzige Pflastersteine. Seit fast hundert Jahren ein Schleichweg für all jene, die am Bahnhof ankommen und unauffällig, fast klandestin versuchen, in die Stadt zu kommen. Am besten gelang es im Dunkeln, bei Regen, wenn dichter Nebel die Schienen und Signale verhüllt, wie damals, als die Pfiffe der Dampfloks mit den Hafensignalen verschmolzen.
Rechts das stählerne Geländer, links der Bretterzaun. Bis zum eckigen Haus, wo der Weg an der grauen Mauer entlangführte und wo es oft gefährlich wurde.
Doch das sind andere Geschichten.

Anthologie von 12 Essays zu Lübecker Seelenorte in der Anthologie
TOPOGRAPHY DER SEELE
- im Hauptbahnhof
- am Bahndamm
- an der Waterkant
- abseits unter Tauben
- am ältesten Baum
- auf der sozialistischen Bank
- die optimistische Aussicht
- im geheimnisvollen Park
- im Malerwinkel
- im St.-Annen Garten
- über Seemannsgräber
- unterm Bismark

