Weshalb Politik niemanden mehr interessiert
und die Politiker damit völlig einverstanden sind
Politikverdrossenheit ist ein drolliger, völlig falsch verstandener Begriff. Der Begriff suggeriert, dass stets der Nichtwähler , der aufgrund seiner Faulheit, nicht zum Wahl lokal zu gehen, sich undemokratisch, unsolidarisch und fast schon wie ein asoziales Subjekt verhält, für diesen Verdruss verantwortlich ist.
Dabei sind, beim genauen hinsehen, die Politiker an dieser langjährigen Entwicklung schuld. Denn sie kassieren wesentlich mehr, als sie dafür abliefern.
Ein gutes Beispiel sind die politischen Amateure der Lübecker Lokalpolitik. Da wird in einer Pressemitteilung einer Lübecker Wählergemeinschaft nach dem Bruch einer Koalition „gemeinsame Tatkraft“ gefordert. Streit und politische Meinungskämpfe, so sie dann noch vorhanden sind, sollen begraben werden. Es brauche Politiker, die „nicht nur auf Macht und Ego“ aus sind (ohne dass der Verfasser sich selbst davon ausnimmt; was immerhin sehr ehrlich ist).
Was wird folgen? Die Forderung einer Einheitspartei?!
Dann wäre es egal, wer oder wieviel Bürger zur Wahlurne gehen – und einigen fantasielose Politiker würden sich sicher sehr freuen.
Tatsächlich wünscht sich der Wähler keine „Einigkeit“ der anwesenden Parteien – dann bräuchte er ja nicht wählen zu gehen. Der Wähler, zumindest jener, der sich für Politik und kontroverse Themen interessiert, mag eher die Uneinigkeit, politische Auseinandersetzungen und akzeptiert demokratische Mehrheitsentscheidungen. Er hasst den Klüngel, die Absprachen und eine mafiöse Hinterzimmerpolitik. Dieser Wähler weiß sehr wohl, dass er seit Jahren nur noch verarscht wird.
Und verzichtet deshalb auf seine „Teilhabe“.
Man hofft, nicht zuletzt im Sinne der Demokratie, dass dies bald anders wird.